Migräniker mit jahrzehntelanger Erfahrung

Hallo,

ich leide seit meiner Jugend unter Migräne (mit Aura), diese wurde erst im Erwachsenenalter diagnostiziert, nachdem Beschwerden stark zunahmen und sich praktisch täglich zeigten.

All die Jahre zuvor war ich kaum ärztlich versorgt worden, die Symptome waren damals einigermaßen unspezifisch. Dennoch gibt es retrospektiv viele Anhaltspunkte, bei denen Diagnose und Behandlung möglich gewesen wären.
Schon früher hatte ich die Erfahrung gemacht, dass mir Cannabis zum Wohlbefinden verhelfen kann und dass Alkohol manchmal Symptome hervorrufen konnte.
Dennoch versuchte ich (auch bedingt durch Konflikte mit dem Thema) Cannabis zu vermeiden und ein „normales“ Leben zu führen, wozu damals auch ab und zu Feiern mit Alkohol gehörten.
Ich trank Kaffee und rauchte zeitweise. In dieser Zeit verstärkten sich die Beschwerden sehr und wurden alltäglich.

Die ungesunden Lebensgewohnheiten stellte ich nach wenigen Jahren ein, als ich mehr darauf zu achten lernte, was mir gut tat und was nicht.
Es begann eine wahre Odyssee auf der Suche nach Linderung bzw. den Ursachen der Beschwerden.
Ich legte dafür teils große Distanzen zurück, aber auch Experten konnten sich nicht wirklich festlegen und nur über Ursachen mutmaßen.

Der Druck durch meine soziale Umgebung und die Zukunftsperspektive etwas zu verändern war enorm.
Die Chronifizierung der Beschwerden stellten zusammen mit der veränderlichen Symptomatik eine große Hürde dar, Mitmenschen wollten helfen aber niemand konnte es.

Oft waren Magenprobleme zu Beginn oder im Rahmen einer Attacke im Vordergrund, deshalb legte ich nach den ersten Misserfolgen bei der Behandlung meinen Fokus darauf.
Bei umfassenden und teils anstrengenden Untersuchungen konnte keine wirkliche Ursache gefunden werden, es gab nur Verdachtsmomente.
Diese reichten aber aus, um eine Umstellung der Lebensgewohnheiten zu begründen, ich probierte einige radikale Veränderungen der Ernährung, ohne echte Erfolge.
Parallel war ich in professioneller Begleitung und nahm so einige unterschiedliche Medikamente zu mir, die aber nur zeitweise gut halfen und längst nicht im benötigten Ausmaß.

Aus Angst davor, durch Nebenwirkungen noch mehr Probleme zu bekommen achtete ich peinlich genau darauf, nicht zuviele Schmerzmittel zu verwenden. Nichtmedikamentöse Möglichkeiten nutzte ich intensiv.
Irgendwann gelangte ich bis zu einem „Quacksalber“, dessen Praktiken ich direkt durchschaute. Auch homöopathischen Praktiken gab ich eine Chance, ohne Erfolg.

An diesem Punkt fasste ich, auch bewegt durch ein medizinisch geschultes soziales Umfeld, die Möglichkeit fest ins Auge, Cannabis medizinisch zu verwenden.
Für mich kam es aber kaum in Frage, das illegal zu tun. Damals war CBD noch nicht reguliert, somit war es meine beste Option.
Jedoch merkte ich bald, dass auch THC von Nöten ist. Mit einem guten Arzt bereitete ich einen Antrag nach der damaligen Gesetzgebung vor und probierte Sativex.
Es zeigten sich deutliche Erfolge, jedoch wurden parallel weiterhin über längere Zeit zahlreiche Medikamente mit teils starken Nebenwirkungen getestet.

Ein Antrag auf eine stationäre Therapie wurde abgelehnt, höchstwahrscheinlich wäre daraus auch wenig Hilfreiches resultiert. Darauf nutzte ich die Möglichkeit der ambulanten Behandlung, was bereichernd war.
Die Möglichkeit mit der neuen Gesetzgebung Blüten zu verdampfen änderte vieles für mich. Meine KÜ folgte rasch nach der Gesetzesänderung und ich war zu Beginn einige Zeit fast beschwerdefrei.

Durch die Erfolge beflügelt veränderte sich meine berufliche Perspektive, ich nahm einen sehr fordernden und im Nachhinein gesehen für die Erkrankung völlig ungeeigneten Job an, der aber sehr erfüllend war.
Schon bald nahmen Beschwerden allerdings zu und nach etwa einem Jahr musste ich erkennen, dass ich mit Cannabis unter diesen Belastungen an meinen Grenzen angelangt war.
Verändern konnte ich kaum etwas, während nervlich bedingte Symptomatiken stärker wurden und meine Mobilität zunehmend einschränkten. Meine Lage ertrug ich weiterhin, soweit es mir möglich war.
Unter verhaltenstherapeutischer Begleitung lernte ich meine Grenzen zu achten und mich langsam von dieser unglücklichen Situation zu lösen.

Dennoch fehlte mir noch ein wichtiges Puzzleteil um die Erkrankung in den Griff zu bekommen. Dieses fand ich, indem ich der Beeinflussbarkeit der Symptomatik auf den Grund ging.
Ich versuchte mich an TENS und merkte, dass es eine kurzzeitige Linderung bewirkte. Darauf gab mir der Arzt ein lokales Anästhetikum mit, das ich mir in die Nase träufeln konnte.

Es folgte eine Anpassung der Cannabismedikation, seitdem habe ich die Symptomatiken praktisch im Griff. Nur relativ leichte Verläufe kommen regelmäßig und Fragmente von Symptomen kommen weiterhin täglich zum Vorschein, diese lassen mich aber nicht mehr machtlos zurück.
Auch meine Mobilität und Möglichkeiten zur Teilhabe haben sich sehr verbessert, es ist eine Art neues Leben. Ich hoffe sehr, dass die Erfolge anhalten und mir ein relativ gesundes Leben weiterhin ermöglicht wird!

Cannabis nutzt mir tagsüber v.a. oral (AVB), abends inhalativ. Es sind bestimmte THC-lastige Sorten, die mir gut tun, punktuell empfinde ich aber auch eine CBD-Sorte als gute Option.

Ich hoffe, dass Patienten von meinen Erfahrungen profitieren können und ihnen der Leidensweg möglichst erspart bleibt!

MfG