Heidi aus Sachsen-Anhalt- registrierter Verbrecher wegen CBD

Hallo, ich bin 67 Jahre alt, seit über 35 Jahren Asthmatiker und habe schwere Wirbelsäulendegenerationen (Bandscheiben, Wirbelköroereinbruch, Arthrose, Osteoporose). Durch meinen Beruf (Gartenbau) leide ich außerdem an Arthrose in so ziemlich allen Gelenken.
Vor 2 Jahren habe ich nun noch eine Verdachtsdiagnose auf Urothelkarzinom bekommen…
Gleich nach Inkrafttreten des Gesetzes Cannabis als Medizin habe ich mich bemüht einen Arzt zu finden, der mir Cannabis verschreibt. Zu der Zeit hatte ich mal wieder einen Phase, in der es mir gesundheitlich (besonders Lunge) sehr schlecht ging.
Ich hatte bereits Monate zuvor eine Selbsttherapie mit CBD-Öl begonnen und die ersten leichten gesundheitlichen Verbesserungen zeigten sich. Im Laufe der Jahrzehnte hatte ich eine Medikamentenliste, die sich auf 10 Präparate belief, die ich dauerhaft einnehmen musste, darunter hochdosierte Opiate und Kortison.
Mir ging es so wie wohl den meisten Patienten damals, kein Arzt wollte das Risiko auf sich nehmen und Cannabis verschreiben. Auch mein Hausarzt weigerte sich, er meinte Cannabis hätte keine ihm bekannte medizinische Wirkung. Seiner Meinung nach wirke Cannabis nur wie „eine Flasche Bier zuviel“.
Da ich es im April 2017 aber schon durch CBD-Öl geschafft hatte, mich aus der Abhängigkeit von den Opiaten (Einnahme über 13 Jahre lang) zu lösen und ich mir aber das teure CBD-Öl nicht länger leisten konnte (ich bezog damals nur eine kleine Witwenrente), ging ich das Risiko ein und besorgte mir Cannabis-Samen mit einem Gehalt von 0,5% THC und 15% CBD (Sorten mit einem noch niedrigerem THC-Gehalt und einem hohen CBD-Gehalt gab es damals nicht) und baute selbst einige Pflanzen an. Der hohe CBD-Gehalt war für mich wichtig wegen meiner permanent entzündeten Bronchien.
Ein Nachbar merkte etwas und zeigte mich an. Im Februar 2018 erhielt ich das Anklageschreiben von der Staatsanwaltschaft. Ich wurde eines Verbrechens! beschuldigt. Die Untersuchung der beschlagnahmten Pflanzen ergab einen THC-Gehalt von stolzen 0,7%. Der CBD.Gehalt interessiert ja, wie ich feststellen musste, weder Polizei noch Staatsanwaltschaft.
Mein Gesundheitszustand verschlechterte sich wieder, denn das CBD-Öl konnte ich mir nach wie vor nicht leisten. Da ich keine Opiate wieder nehmen wollte, bekam ich jetzt herkömmliche Schmerzmittel und eine höhere Dosis Kortison, die mir Stand heute, die Magenschleimhaut und die Knochen geschädigt haben.
Im Februar 2021 wurde ich zu einer Bewährungsstrafe mit Androhung einer Geldstrafe von 5000,00 € verurteilt.
Ich habe mein Leben lang körperlich schwer gearbeitet und mir nie etwas zuschulden kommen lassen…ihr könnt vielleicht ein bischen nachvollziehen, wie ich mich fühle.
Allerdings hat meine Geschichte (zumindest teilweise) heute ein Happyend. Ab 2020 hat mir meine Tochter das CBD-Öl finanziert und so konnte mein Hausarzt irgendwann meine gesundheitlichen Fortschritte nicht mehr ignorieren, zumal ich einige Medikamente teilweise vollständig absetzen konnte.
Vor einem Jahr hat er dann den Antrag auf Kostenübernahme auf (noch immer CBD-reiche und THC-arme!) Cannabisblüten zum Verdampfen bei meiner Krankenkasse gestellt. Der Antrag wurde mit völlig abstrusen Begründungen abgelehnt, unter anderem: Cannabis sei bei Asthma völlig kontraindiziert. Komisch nur, dass meine Entzündungswerte fast auf Null geunken sind, mein Lungenvolumen sich verbessert hat, ich keine Anfälle mehr habe und inzwischen sogar kein Kortison mehr brauche.
Nun werdet ihr vielleicht sagen, Widerspruch einlegegen, Sozialgericht anrufen…
Ich habe mich dagegen entschieden, ein bischen auch in der Hoffnung auf die Legalisierung und damit sinkende Preise. Ich beziehe meine Blüten inzwischen auf ein, dank meiner Tochter, finanziertes Privatrezept. Der Hauptgrund, warum ich nicht in Widerspruch gehen will ist allerdings der, dass ich endlich an einem Punkt angekommen bin, in dem es mir fast richtig gut geht, ich meine innere Ruhe wiedergefunden habe und ich mich in einem Alter befinde, wo ein weiteres Kämpfen mir einfach zu viel wird.
Mein Hausarzt steht inzwischen vollends hinter der Cannabistherapie und wettert auf die Kassenverbände und das unüberlegte Gesetz ;-))
Stand heute habe ich von den ehemals 10 Dauermedikamenten 7! (2 davon teils) substituieren können.
Ich wünsche allen Mitpatienten ebenfalls eine möglichst weitreichende Linderung ihrer Beschwerden.

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Hallo Heidi.
Danke für Deine Vorstellung, die einem eigentlich die gemeine Zornesröte ins Gesicht treiben müsste angesichts der immer noch weit verbreiteten Ignoranz gegenüber med. Wirkungsweisen von Cannabis.
Insbesondere Zornesröte über die Kontra-Indikation bei Asthma, wobei jeder halbwegs informierte Mensch weiß, dass es bis in die 1930er Jahre hinein noch Asthma-Zigaretten mit Cannabis in jeder Apotheke gegeben hat. Nur die KK scheint es nicht zu wissen. Oder der MDK.

In gewisser Weise erinnert mich Deine Geschichte an die von Ute Köhler* (Thüringen), aber auch an viele Schicksale anderer Patienten, die ich im Verlaufe meiner ACM/CM-Mitgliedschaft (mit)erlebt habe.

*Google: „Ute Köhler, Thüringen, Cannabis, AOK“

Ich selbst bin seit langer Zeit Verfechter der „Bau selbst an, quassel nicht drüber und lass Dich nicht erwischen-Praxis“ und wenn erwischt, dann sollte man der Justiz gegenüber argumentative Einlassungen von „Notstandsbegründung-Qualität“ parat haben, um sich angemessen zu rechtfertigen und eine (ohnehin ungerechte) Strafe soweit als möglich zu minimieren.

Wenn Cannabis zu Genusszwecken in dieser Legislaturperiode legal wird und Eigenanbau in begrenztem Maße möglich, werden auch - wenigstens z.T. - finanziell schlecht gestellte Patienten davon profitieren können.

Bleib stabil!

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Vielen Dank für Deine Antwort. Ich habe auch schon von anderen Patienten gehört, dass sich die KK in den neuen Bundesländern augenscheinlich besonders heftig vor der Kostenübernahme zu drücken scheinen.
Ich hoffe immer noch, dass es unser neuer Bundesdrogenbeauftragter (den ich in dieser Sache auch schon angeschrieben habe) zusammen mit dem Ausschuss zuwege bringt, zumindest für Patienten eine (von mir aus auch kontrollierte) Anbaugenehmigung gesetzlich zu installieren.

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moin ,
bekomme cannabis seit 3 jahren wegen meinem asthma . vor der c-therapie bin ich fast jede nacht aufgewacht weil keine luft bekommen habe und im laufe der jahre durch kortison (ca.15 jahre)immer mehr knochen schmerzen bekommen habe. dank diese wunderbaren pfanze schlafe ich durch und die schmerzen sind deutlich seltener geworden. kortison dosierung konnte reduziert werden.bevor ich patient wurde habe ich mich selbst therapiert und wurde als verbrecher zu 18000 euro am landgericht Hamburg verurteilt. als privat zahler hoffe ich sehr das patienten bei einer legalisierung nicht zu kurz kommen.Keine Pflanze ist Illegal!

stay medicated

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Sorry, hatte übersehen, dass du schon schriebst, dass du Selbstzahler bist. Hast du versucht, einen Antrag auf Kostenübernahme zu stellen und wenn ja, wie lautete die Ablehnungsbegründung?

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